Menü
Romane

Frauke Scheunemann, Ziemlich unverbesserlich, Page&Turner-Verlag

Amüsantes Verwirrspiel um eine Hanfplantage und das Alltagschaos einer Anwältin. Nikolas Leben ist ziemlich turbulent. Ihr Mann seit Jahren tot, ihre Sohn noch im Kindergarten, die Tochter in der Pubertät. Und in ihrer Anwaltskanzlei türmen sich die Aktenstapel. Fehlt gerade noch, dass ihre Schwiegermutter ihr ihre Nachbarn Tiziano und Sergio als Mandanten aufdrängt. Die beiden Italiener haben das Anwesen von Tante Erika geerbt und leben seit acht Monaten hier. Nun hat die Polizei eine Hanfplantage in ihrem Gewächshaus ausgehoben. Kann es wirklich sein, dass Tante Erika Hanf angebaut hat? Zusammen mit Simon, Anwalt für Strafrecht, versucht Nikola alles, um ihre Mandanten zu unterstützen, wird von Tiziano umschwärmt, muss ihre ausgerissen Tochter einfangen und sich ihrer Gefühle für Simon klar werden. - Ein freundlicher Frauen-Schmöker mit liebenswerten Figuren und lustigen Ideen. Ideal für ein verlängertes Frühstück auf dem Sofa. (Tina Schröder - borromedien.de)  

Tilmann Röhrig, Die Könige von Köln, Pendo-Verlag

Köln, 1794. Napoleon marschiert unaufhaltsam auf die Stadt zu. Der Drei-Königs-Schrein und andere Kunstschätze müssen in Sicherheit gebracht werden und ein Tagelöhner wird zum Helden. "Worum geht es? So sprecht doch!" - "Unsere drei Heiligen. Die Könige ..." sind in Gefahr, denn unaufhaltsam marschieren im Herbst 1794 die französischen Truppen der Stadt Köln entgegen, die Revolution im Gepäck und den Anspruch auf Kunstschätze erhebend. Der gelehrte Kleriker Ferdinand Franz Wallraf stellt sich ihnen beherzt entgegen. In aller Eile werden die Gebeine der Heiligen und der goldene Reliquienschrein über den Rhein in ein geheimes Versteck geschafft. Der junge und ungewöhnlich starke Tagelöhner Arnold Klütsch hilft bei der Verladung der heiligen Ware und steckt fortan mitten im Gewirr aus feindlicher Übernahme, Einsatz für die Stadt und deren Schätze und der Liebe zu der Schneidermeisterstochter Walburga, auf die jedoch auch sein zwielichtiger bester Freund bereits ein Auge geworfen hat. Ein herausragend fundierter und bildkräftiger Roman, der die Zeit der französischen Okkupation Kölns zum Greifen nah werden lässt und obendrein eine spannende Geschichte über Mut, Freundschaft und Liebe erzählt. Sehr empfehlenswert. (Sonja Hochhausen - borromedien.de)
 

Giuseppina Torregrossa, Die Kaffeerösterin, Bloomsbury-Verlag

Die eigenwillige Tochter einer Familie in Palermo in den 1940er Jahren will unbedingt das Metier ihres Vaters, eines Kaffeerösters, übernehmen. Bei der Familie Olivares dreht sich alles um das Rösten von Kaffee. Der Vater Roberto hat es darin zu einer richtigen Meisterschaft gebracht. Von den drei Söhnen ist einer, Ruggero, etwas verträumt und zurückgeblieben. Die beiden anderen leben trotz der ständigen Vorhaltungen der Eltern in den Tag hinein und bei Ausbruch des Krieges verschwinden sie einfach. Aber da ist ja noch Genziana, die halbwüchsige, rebellische, bildhübsche Tochter. Sie will unbedingt Kaffeerösterin werden, was ihr Vater auf keinen Fall dulden will. Frauen hätten beim Rösten unter keinen Umständen etwas zu suchen. Mit Eintritt Italiens in den Krieg wird das Leben aber schwieriger. Und als bei einem der Bombardements Palermos die Eltern umkommen, übernimmt Genziana bald das Kommando in der Rösterei. Sie lernt das Metier von Grund auf und kommt irgendwann auch auf das Geheimnis ihres Vaters, die richtige Mischung zu kreieren. - Die in Italien recht bekannte und geschätzte Autorin hat mit diesem Familienroman ein Stück Geschichte ihrer Heimat Palermo erzählt. Es ist eine einfühlsame, anschauliche Schilderung der Personen und Lebensumstände jener Zeit. Wie sie das Erwachsenwerden ihrer Hauptperson Genziana schildert ist bemerkenswert, wenn auch auf Dauer die Meisterschaft von z.B. einer Elsa Morante oder eines Ignazio Silone nicht erreicht wird. Aber es ist ein sehr unterhaltendes Buch mit gelegentlichen sinnlichen Einschüben. (Erwin Wieser)